
Wenn von den ganz großen Namen der DDR-Rockgeschichte die Rede ist, fällt ein Name fast sofort: CITY. Mit ihrem Jahrhundert-Hit „Am Fenster“ spielten sie sich nicht nur in die Herzen von Millionen Menschen im Osten und Westen, sondern schufen auch einen zeitlosen Meilenstein der deutschen Musikgeschichte.
Nach über 50 Jahren Bandgeschichte zog die Formation Ende 2022 einen endgültigen Schlussstrich und schloss das Kapitel CITY für immer. Eine Rückblende auf Entstehung, Höhen, Tiefen und das würdige Finale.
Die Entstehung: Wie alles anfing (1972)
Gegründet wurde die Band im Jahr 1972 in Ost-Berlin. Damals formierten sich Musiker, die genug hatten von den streng vorgegebenen, konformen Bahnen der staatlich gelenkten Unterhaltungsmusik in der DDR. Sie wollten handgemachten Rock spielen, der Ecken und Kanten hatte, ehrlich war und die Jugend ansprach.
Zu den prägenden Gründungsmitgliedern zählten unter anderem der charismatische Sänger Toni Krahl, Gitarrist Fritz Puppel, Bassist Klaus Selmke und Geiger Georgi „Joro“ Gogow (der ursprünglich aus Bulgarien stammte und mit seinem elektrisch verstärkten Geigenspiel den unverkennbaren, folkig-rockigen Sound der Band prägte).
Der Werdegang: Der Durchbruch und „Am Fenster“
Der ganz große Durchbruch ließ nicht lange auf sich warten und kam 1977 mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum „City“. Darauf befand sich jenes Lied, das die Band weltberühmt machen sollte: „Am Fenster“.
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Das Lied basierte auf einem Gedicht der Lyrikerin Hildegard Maria Rauchfuß.
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Es brach alle Konventionen, da es mit über 17 Minuten Spielzeit extrem lang war.
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Der Mix aus Rock, bulgarischen Folklore-Elementen und Georgi Gogows rasantem Geigensolo schlug ein wie eine Bombe.
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Die Single verkaufte sich millionenfach – im Osten wie im Westen (wo sie unter anderem in den Hitparaden lief).
In den folgenden Jahrzehnten bewies City eine beachtliche Wandlungsfähigkeit. Sie überstanden Restriktionen des DDR-Regimes, tourten im In- und Ausland und erfanden sich musikalisch immer wieder neu – mal rockiger, mal poppiger, aber stets mit kritischem Geist und handwerklicher Perfektion.
Wer kam, wer ging: Das personologische Karussell
Wie bei den meisten langlebigen Bands gab es über die Jahrzehnte hinweg verschiedene Umbesetzungen, wobei der harte Kern über lange Strecken zusammenblieb:
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Toni Krahl (Gesang) und Fritz Puppel (Gitarre) bildeten das unerschütterliche Rückgrat und den kreativen Kopf der Band von den Anfängen bis zum Schluss.
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Georgi Gogow (Bass, Violine) stieg zwischendurch (unter anderem in den 1980ern) aus, kehrte aber später wieder triumphal zurück.
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Am Schlagzeug saß jahrzehntelang Klaus Selmke, dessen plötzlicher Tod im Jahr 2020 ein schmerzhafter Einschnitt für die Band war. Für ihn übernahm Manfred Hennig bzw. andere Wegbegleiter die Rhythmus- und Tastenarbeit.
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Zahlreiche weitere Musiker wie Keyboarder Manfred Hennig prägten den Sound in den späten Jahren.
Das Ende: „Die letzte Runde“ (2022)
Nach dem Tod von Klaus Selmke und mit Blick auf das eigene Alter beschlossen die Musiker, kein künstliches, schleichendes Ende zu suchen, sondern abzutreten, solange sie noch mit voller Kraft auf der Bühne stehen konnten.
Unter dem Motto „Die letzte Runde“ verabschiedete sich City im Jahr 2022 von ihren treuen Fans. Sie spielten eine ausverkaufte Abschiedstournee durch ganz Deutschland, die von tiefen Emotionen und großer Dankbarkeit geprägt war.
Das große Finale: Am 30. Dezember 2022 gaben Toni Krahl, Fritz Puppel, Georgi Gogow und Manfred Hennig ihr allerletztes Konzert in der ausverkauften Berliner Mercedes-Benz Arena.
Damit machten die Jungs endgültig den Sack zu. Seitdem gibt es keine Live-Auftritte und keine neuen Alben mehr. City hat sich vom Live-Zirkus verabschiedet – und hinterlässt ein musikalisches Erbe, das im ostdeutschen Rock seinesgleichen sucht.