Charly: So, meine lieben Freunde, einen wunderschönen guten Tag, hier ist euer Charly von NSR Stadtradio. Ich habe gleich bzw. ich habe jetzt vor mir den Claudio und zwar von der Gruppe Karat, den Ledsänger, wenn ich mich nicht irre. So, erstmal zum Einstieg: Karat heute – Karat gibt es inzwischen seit fünf Jahrzehnten. Was bedeutet Karat heute für dich, persönlich?
Claudius Dreilich: Für mich persönlich gehört Karat ist – kann ich gar nicht persönlich beantworten. Für mich ist Karat Familie, ich bin damit groß geworden. Ich bin jetzt 56 und mit 56, ich kenne Karat jetzt seit 51 Jahren. Also von daher, bestimmt mein Leben.
Charly: Ja, das glaube ich, das glaube ich gerne. So, die zweite Frage, die ich an dich habe: Wenn du den Namen Karat hörst, welche Gedanken kommen bei dir als Erstes?
Claudius Dreilich: Auch das kann ich nur so beantworten: Es ist für mich Familie, das ist zu Hause, das sind meine Freunde, ist mein Leben. Ich denke da erstmal gar nicht an nur ausschließlich an Musik, sondern auch an ganz vieles anderes.
Charly: Das hört sich sehr gut an. So, was macht für dich die typische Karat-Musik aus?
Claudius Dreilich: Das ist schwer zu beschreiben, weil es gibt Leute, die sagen, das ist eine sehr orchestrale Musik, es gibt Leute sagen, ist eine synthielastige Musik. Ich glaube, wenn man es beschreiben würde, würde ich so beschreiben: Es ist eine Mischung zwischen Pink Floyd, Stones, vielleicht sogar auch ein bisschen Schlager-Rock und Klassikmusik.
Charly: Du stehst seit vielen Jahren auf der Bühne, was treibt dich heute noch an, immer wieder live zu spielen?
Claudius Dreilich: Ja, das ist natürlich – das ist natürlich der Spaß auch mit dem Publikum zu haben und solange die Leute zu unseren Konzerten kommen, ist das ja die Bestätigung, die man auch braucht als Künstler, um überhaupt bestehen zu können und das macht ja Spaß. Das ist wie eine große Party jedes Mal auf der Bühne. Also das treibt uns, nicht nur mich, sondern uns alle an.
Charly: Was ist für dich der schönste Moment bei einem Karat-Konzert?
Claudius Dreilich: Das wechselt. Das gibt keinen einzigartigen Moment, das ist immer jedes Konzert ist einzigartig und jedes Konzert hat seine besonderen Momente und das verándert sich immer mal wieder, das hat viel mit dem Publikum zu tun, es hat viel mit Stimmung zu tun und auch mit den Räumlichkeiten vielleicht sogar. Deswegen, es sind aber die – die schönsten Momente sind meistens die emotionalen Momente.
Charly: So, wenn du dir die gesamte Geschichte von Karat betrachtest, welche Station war für dich persönlich besonders wichtig?
Claudius Dreilich: Na, für mich persönlich ist natürlich der wichtigste Moment der gewesen, als ich aktiv auf der Bühne gestanden habe bei Karat und nicht mehr nur der Sohn vom Sänger war und Karat begleitet habe. Das war wahrscheinlich der bedeutendste Moment für mich, aber wenn ich davor zurückgehe, dann ist einer der ganz besonderen Momente für mich z.B. ein Konzert von Karat im Palast der Republik damals 1982, kann ich mich noch sehr lebhaft dran erinnern. Also es gibt gibt ganz viele Bilder, die ich in mir trage und die letzten 21 Jahre ist der Topf noch mehr aufgefüllt worden mit Erinnerungen und Bildern.
Charly: Gab es einen Moment bei dir selbst – Moment. Gibt es gab es einen Moment, bei dem du selbst gedacht hast, jetzt ist Karat endgültig angekommen?
Claudius Dreilich: Wir sind nie angekommen, weil wir fühlen uns immer dazu auch verpflichtet und wir haben auch diese Motivation, uns immer weiter voranzutreiben, dann kann man nicht ankommen. Also wenn man sagt, man ist angekommen, dann ist man am Ziel und unser Ziel ist einfach immer wieder eine neue Version zu entdecken und neue Ufer zu versuchen zu erreichen. Und deswegen, ankommen ist vielleicht falsch ausgedrückt. Ich glaube aber, dass wir zumindest von unserer Wegrichtung, also wir werden nicht mehr rechts-links abbiegen, wir werden einfach geradeaus weitergehen, so wie wir das die letzten 50 oder 51 Jahre gemacht haben.
Im Gespräch blickte Dreilich zudem bereits voraus auf das kommende Jahr 2027, in dem die Band unter dem Motto „45 Jahre – Der blaue Planet“ ein ganz besonderes Jubiläum feiert. Das legendäre Album, das zu den kommerziell erfolgreichsten Werken der DDR-Musikgeschichte zählt, soll im Rahmen einer großen Tournee komplett live auf die Bühne gebracht werden – darunter am 12. November 2027 auch ein Wiedersehen in der Bremer Glocke.
Bis dahin gilt für alle Musikbegeisterten: Hingehen, reinhören und die einzigartige Energie einer Band erleben, die trotz aller Widrigkeiten der Zeit ihren Weg schnurstracks geradeaus geht.
Charly: Was waren die größten Herausforderungen für euch in der Geschichte der Band?
Claudius Dreilich: Da gibt’s mehrere Dinge zu erwähnen. Zum einen ist es sicherlich natürlich die Wende, also der Zusammenbruch der DDR und damit auch eine komplett neue Situation für alle DDR-Künstler, die erstmal nicht wussten, wie es weitergeht. Zum anderen dann natürlich, nachdem man das überstanden hat, die Krankheit und auch der Tod meines Vaters, das war sehr prägend für die Band mit meinem Einstieg. Und dann haben wir auch noch mal ungefähr anderthalb Jahre nicht unter dem Namen Karat auftreten dürfen. Das war auch noch mal sehr anstrengend und sehr prägend und das waren so die schlimmsten Hürden, sage ich mal. Aber ich muss dazu sagen, es gibt unfassbar viele schöne Momente, die das alles wegglucken.
Charly: Was hat sich in 50 Jahren Musikgeschäft am stärksten verändert?
Claudius Dreilich: Es ist alles viel, viel schneller geworden. Leider durch diese Geschwindigkeit ist es von der Qualität nicht wirklich besser geworden, was in der Musiklandschaft passiert, empfinden wir jedenfalls so. Es ist alles sehr gleich, alles sehr schémisch hergestellt, vieles sind gar nicht mehr mit eigenen Musikern, also richtig live Musik auf einer Bühne zu machen, das passiert gar nicht mehr so häufig. Da sind wir vielleicht auch die Dinosaurier, aber das gehört für uns dazu, das ist die Emotion, die die Leute erreicht. Und das ist für mich der größte Nachteil, der momentan in der Entwicklung der Musik stattfindet, dass es alles aus der Konserve kommt. Und im Grunde genommen kann ja heute jeder, der irgendwie nur ein bisschen Lust dazu hat, kann Musik machen, ob er es kann oder nicht. Und das macht sich eben auch spürbar bemerkbar.
Charly: Und was hat sich bei eurer Gruppe nicht verändert?
Claudius Dreilich: Nicht verändert hat sich die Anzahl der Musiker, wir sind immer noch fünf Musiker. Nicht verändert hat sich der Stil von Karat, der bleibt auch gleich. Und nicht vor allem nicht verändert hat sich den Anspruch, den wir alle fünf tragen für diese Band.
Charly: Gibt es Entscheidungen aus der Vergangenheit, die du heute anders treffen würdest?
Claudius Dreilich: Was Karat angeht? Nein, ich würde alles noch mal genauso machen, wie wir es gemacht haben. Ich kann keine großen Fehler entdecken.
Charly: War dein Vater ein Vorbild für dich, für diese Gruppe?
Claudius Dreilich: Das ist schwierig zu beantworten als Sohn, weil für mich war in erster Linie Vater und weniger Vorbild, aber natürlich trägt man ja auch irgendwo nicht nur die Vaterliebe in sich, sondern auch natürlich so auch einen ganz tollen Respekt und große Hochachtung. Die hatte ich allemal. Vorbilder sind für mich andere Personen, da gehört mein Vater nicht dazu, weil dann wäre auch die Situation die, wenn er ein großes Vorbild für mich wäre, dann würde das auch bedeuten, ich würde versuchen, ihn immer zu kopieren und das ist nicht meine Aufgabe. Deshalb trifft es nicht so ganz, wenn ich sagen würde, mein Vater ist mein Vorbild, das war er nicht.
Charly: So, dann beginnen wir mal mit den größten Hits. Die Frage, da bin ich jetzt gespannt. Und zwar beginnen wir natürlich mit Über sieben Brücken musst du gehen. Hättest du damals gedacht, dass dieser Song einmal eine solche Bedeutung bekommen würde?
Claudius Dreilich: Das hat niemand erwartet. Dieses Lied ist in einem Kino in Grünau bei Berlin aufgenommen worden, war eigentlich nur als Musikfilm gedacht, also als eine Musik – eine Musik für einen Kinofilm, so muss ich es ja sagen, ist ja auch als solches umgesetzt worden. Dass das Ding so eine Entwicklung nimmt und so eine Reise nimmt, hat überhaupt gar niemand drüber nachgedacht. Das ist aber manchmal so, das passiert genau in solchen Momenten und da ist es eben auch mit dem Song so passiert.
Charly: Was empfindest du heute, wenn Tausende Menschen diesen Song gemeinsam mitsingen?
Claudius Dreilich: Ich glaube, es ist gerechtfertigt zu sagen, das ist wahrscheinlich das einzige Lied, was deutsch-deutsch vor der Wende und auch nach der Wende musikalisch am stärksten geprägt hat. Es gibt eine ganze Menge andere Songs, die man auch dazu nennen könnte, aber die Sieben Brücken sind glaube ich für mich der bekannteste und größte Song und auch der emotionalste von allen, den man einfach schon seit – den gab es einfach seit 1978 und jetzt haben wir 2027 – oder 26, bald haben wir 27 und dieser Song ist – wird in der Schule unterrichtet, der ist im Schulstoff drinne. Dieser Song, den kannst du heute in Kindergarten gehen, selbst da gibt es Kinder, die den singen können. Warum das alles so passiert, das kann ich nicht erklären, aber wir sind unglaublich stolz drauf.
Charly: So, nächste Frage für dich und zwar, jetzt kommen wir zum nächsten Titel, nämlich den, der mein persönlicher Favorit ist und mit dem ich auch aufgewachsen bin: Der blaue Planet. Und zwar, auch der blaue Planet gehört zu den bekanntesten Karat-Songs. Warum ist dieser Titel deiner Meinung nach bis heute so aktuell?
Claudius Dreilich: Das sind mehrere Sachen. Erstens ist es musikalisch damals etwas gewesen, so eine Musik gab es noch nicht. Es sind Sounds entwickelt worden, die gab es auch weder im Osten noch im Westen nicht. Und dann hat dieser Song natürlich eine textliche Brisanz gehabt damals, wie heute noch fast noch stärker, würde ich sagen, mittlerweile sogar vielfach stärker, womit man ja nicht rechnen konnte. Aber das bewegt und berührt natürlich die Menschen und es ist kein Hauruck-Song, sondern es ist ein Titel, der musikalisch anspruchsvoll ist, trotzdem immer noch mit Moog-Sounds versehen ist, die heute auch in der aktuellen Musik benutzt werden und textlich und schlagbar.
Charly: Welche Bedeutung hat jede Stunde für die Band?
Claudius Dreilich: Ja, das ist so ein Stehauf-Titel. Das ist so, wenn du mal schlechte Laune hast, dann ist das genau das richtige Lied, wenn man sich den Text anhört. Das hat eine große Bedeutung und man hat schlechte Momente im Leben, man hat gute Momente im Leben, man hat gleichgültige Momente und noch so viele andere Momente, die man im Leben hat und jede Stunde beschreibt eigentlich jede einzelne Sekunde davon.
Charly: Gibt es einen Karat-Song, der deiner Meinung nach wenig Aufmerksamkeit bekommt?
Claudius Dreilich: Da gibt’s ganz viele, weil das Repertoire von Karat bei 51 Jahren Musikgeschichte ist natürlich im Verhältnis zu anderen Bands gigantisch. Also wir haben so ein riesen Repertoire und ich könnte jetzt mindestens eine halbe Stunde lang Songs aufzählen, die alle viel zu wenig beachtet werden, deswegen will ich keinen einzelnen Song jetzt hier erwähnen, weil das wäre den anderen Songs gegenüber unrecht. Aber wenn man mal ein bisschen in den Archiven stöbert und ein bisschen guckt, ich sag mal so 90 % aller Songs sind zu finden, auch im Netz von uns und wenn man sich da interessiert, dann findet man auch ein paar Perlen, wo man sagt, was ist denn das, das kannte ich ja gar nicht. Also da gibt’s eine ganze Menge unterschätzte Songs, ja.
Charly: Welchen Song spielst du persönlich besonders gerne live?
Claudius Dreilich: Es gibt keinen konkreten Lieblingstitel von mir, also habe ich noch nie gehabt, aber es gibt einen Song, der auch nach 21 Jahren immer noch die größte Herausforderung für mich als Sänger ist, aber auch wo ich das Gefühl habe, er ist musikalisch am mit am anspruchsvollsten und das ist der Albatros.
Charly: Gibt es einen Titel, bei dem du jedes Mal eine besondere Gänsehaut bekommst?
Claudius Dreilich: Trifft es eigentlich aufs Gleiche. Also es ist wie gesagt, ich habe jeden Abend andere Emotionen, jeder Song hat eine andere Bedeutung, jeden Abend der eine wiegt mal ein bisschen mehr, der andere wiegt mal wieder ein bisschen mehr, aber ich glaube, bleibend von allen Ansprüchen ist auch da immer der Albatros.
Charly: So, die Geschichte hinter der Musik: Wie entsteht bei Karat normalerweise ein neuer Song?
Claudius Dreilich: Unterschiedlich. Also in den letzten 20 Jahren ist es so, dass entweder der Martin oder ich mit Musikideen kommen oder wir kriegen auch von außen was zugetragen von Musiker-Kollegen, die denken, die haben eine schöne Idee, die für Karat was sein könnte. Bei Texten verhält sich das ähnlich. Wir achten natürlich immer drauf, weil wir einen gewissen Anspruch an die Lyrik haben von unseren Texten, wir wollen keinen konkreten Straßenschargon auf der Bühne bei uns haben, das passt einfach auch nicht zu uns. Und deswegen ist das immer ein bisschen besonders herausfordernd, aber Musik entsteht immer aus einer Motivation heraus und aus einer Stimmung und so entstehen auch unsere Lieder und wir kriegen manchmal tolle Songs angeboten und manchmal haben wir aber auch selber tolle Ideen und das wird gesammelt und irgendwann ist es dann soweit und dann kommt das aufen Vinylalbum.
Charly: Was ist zuerst da: Die Musik, der Text oder eine Idee?
Claudius Dreilich: Die Idee ist immer das Erste und entweder ist es die Musik oder der Text, aber meistens in ich sag mal in 90 % aller Fälle ist die Musik zuerst da bei uns.
Charly: Wie wichtig sind Emotionen und persönliche Erfahrungen beim Schreiben neuer Musik?
Claudius Dreilich: Das sind ja die Geschichten, die das Leben schreibt. Also alles, was man erlebt, was man irgendwo – wir sitzen hier, vielleicht geht mir nachher irgendwas durch den Kopf, also das kann man gar nicht so fest ankern. Es kann sein, ich im Zug sitze und jemanden beobachte, auch schon passiert und ich habe ein Lied drüber geschrieben. Also das ist – das ist das Leben, wo wir und auch unsere Emotionen und auch unsere Gefühle, wir sind mal traurig, wir sind mal lustig, wir freuen uns mal, das wird verarbeitete Musik, alles.
Charly: Hat sich – sorry meine lieben Leute – hat sich deine Art Musik zu machen im Laufe der Jahrzehnte verändert?
Claudius Dreilich: Ich glaube, dass wir uns alle ein bisschen verändern, das ist auch völlig in Ordnung, es sollte auch so sein, wir werden ja auch alle älter und vielleicht auch ändert sich hier und da mal unsere Einstellung zu gewissen Dingen und dann verändern sich natürlich auch manche Aussagen und auch manche Darstellungen und so ist das natürlich bei Karat auch. Es ist immer eine gewisse Weiterentwicklung, eins bleibt aber immer, wir versuchen unserem Sound treu zu bleiben und unserer Lyrik.
Charly: Euer aktuelles Album trägt ja den Titel Hohe Himmel. Wie ist dieser Titel entstanden?
Claudius Dreilich: Hohe Himmel ist – müsste man eigentlich jetzt mit unserem Martin reden, diesen Song hat Martin mit Hansi Biebl zusammen entwickelt und wir konnten für das Album Werner Karma gewinnen wieder ein sehr bedeutender alter Hero aus dem Osten, Texter, der für Bands wie Silly und für die Puhdys, aber auch für Karat geschrieben hat und der hat auch den Text Hohe Himmel gemacht und wir fanden das mega passend für uns.
Charly: Was unterscheidet die neuen Songs von früheren Karat-Aufnahmen?
Claudius Dreilich: Naja, also jetzt, wenn ich das letzte Album mir angucke, da haben wir versucht wie in den 80ern zu arbeiten, außer dass wir keine Bandmaschinen benutzt haben, wir haben uns schon ein bisschen Hilfe modernerer Technik genommen, aber wir haben z.B. nichts am Computer entstehen lassen, wir haben alles live eingespielt und das hat viel Arbeit und Zeit gebraucht. Also haben wir im Grunde genommen wieder so gearbeitet, wie man vor 30-40 Jahren gearbeitet hat, das hat uns viel Spaß gemacht, hat aber auch deutlich länger Zeit gebraucht. In der heutigen Zeit ist es ja so, dass man und das hatte ich ja vorhin schon mal eingangs gesagt, dass vieles am Computer passiert und überhaupt kein Instrument sieht mehr die Töne, sondern das wird irgendwie zusammengebastelt und da achten wir drauf, dass das bei uns nicht so der Fall ist. Handgemacht. Hand, ja. Das ist gut.
Charly: Gibt es auf dem Album ein Titel, der dir persönlich besonders wichtig ist?
Claudius Dreilich: Ja, ich finde schon. Also von der Aussage her ist der Song der Mensch für mich am treffendsten für das, was die Zeit jetzt gerade angeht.
Charly: Welche Geschichte steckt hinter diesem Song?
Claudius Dreilich: Hört euch den Song an.
Charly: Also Leute, wisst ihr Bescheid, das neue Karat-Album holen Hohe Himmel und dann wisst ihr, worum es geht. So, was habe ich noch für dich und zwar, was wird von der heutigen Lebenswirklichkeit in den neuen Karat-Songs stecken?
Claudius Dreilich: Lebenswirklichkeit, was meinst du denn damit? Also meinst du für jeden – jede Art hat ja eigene Ziele im Leben, jeder für jeden sind ja andere Sachen wichtig. Es ist ja nicht für alle für uns alle immer alles gleich wichtig. Deswegen kann ich das so gar nicht beantworten. Wir haben nie Musik gemacht mit Zeigefinger oder mit Lehrer oder hier mit ihr müsst das so machen, das haben wir nie gemacht, weil wir der Meinung sind, jeder hat da seinen Freiraum und sollte den auch für sich nutzen. Auf dem Album ist es so, dass wir wie auf allen anderen Alben auch auf Sachen hinweisen und vielleicht auch mal mit dem Finger in die Wunde reintippen, aber jeder muss selber damit klar kommen, wie er damit umgeht.
Charly: Okay, so, jetzt kommen wir zur Kategorie Claudius Dreilich und die Verbindung zu Herbert. Claudius, du bist der Sohn des früheren Karat-Sängers Herbert Dreilich. Wie stark begleitet dich diese musikalische Erbe?
Claudius Dreilich: Na, das von Anfang an. Also ich bevor es Karat gab, gab es die Band Panta Rei, die war schon sehr populär damals in der DDR und auch was ganz Besonderes, weil das waren damals acht Musiker und alle waren für sich eine Extraklasse und das war bekannt im Osten. Mit dem bin ich groß geworden, aber irgendwann ist aus dieser Formation heraus dann Karat entstanden, da war ich 5 Jahre alt, 8 Jahre alt. Also nee, 5 Jahre alt, 5 Jahre alt so und ich habe das alles miterlebt, ich habe zum Teil haben die mich alle jeder mal irgendwie zum Kindergarten gebracht oder wieder abgeholt und ich war immer dabei. Ich bin damit groß geworden, also verbindet mich damit was ganz Inniges und deswegen fühle ich mich auch die Musik so, wie es gar nicht besser sein könnte. Bernhard hat das mal, unser Gitarrist hat das mal schön gesagt, der ist ja nun auch Urgestein. Claudius hat das aufgesaugt, wie viel Musiker die bei Karat gespielt haben, die es gar nicht so erlebt haben und ich habe es anders, ich glaube das ist in meiner DNA.
Charly: Gibt es einen Moment auf der Bühne, in dem du besonders an deinen Vater denkst?
Claudius Dreilich: Ja, es gibt einen Moment, nicht nur ich, sondern die ganzen Kollegen, es gibt einen Song, der wird jeden Abend ihm gewidmet und das seit 21 Jahren und das auch heute Abend.
Charly: Welcher Titel ist das?
Claudius Dreilich: Das verrate ich jetzt nicht. Ist er gemein? Aber okay, was habe ich Wird aber angesagt, also ist nicht zu verpassen, wenn man das Konzert sitzt.
Charly: Da muss ich mich, da muss ich meinem Netz mich beflügeln, das werde ich mit Sicherheit finden. So, was hast du musikalisch und menschlich von deinem Vater gelernt?
Claudius Dreilich: Na, musikalisch habe ich insofern viel gelernt, was Gesang angeht natürlich, aber auch Gitarre habe ich von ihm gelernt. Menschlich das, was man von dem Vater kriegen kann und ich habe nicht viel Zeit mit ihm gehabt, weil er war ja sehr viel unterwegs, manchmal haben die 300 Tage im Jahr gespielt, so dann bleiben nicht viel Tage übrig für Familie, aber ich habe halt versucht das rauszuziehen, was man als Sohn von seinem Vater rausziehen kann.
Charly: War es für dich schwierig, deinen eigenen Platz bei Karat zu finden?
Claudius Dreilich: Überhaupt nicht, den hatte ich von Anfang an.
Charly: Wie würdest du deinen eigenen Stil innerhalb der Band beschreiben?
Claudius Dreilich: Ja, also ich – ich jede wir sind fünf Musiker, jeder hat seine Aufgabe und für die er ist auch wirklich erstmal allein verantwortlich, dann wird das kommen wir fünf zusammen und wir probieren Dinge aus und dann sagt man auch zu dem einen Kollegen oder zu dem anderen Kollegen, kannst es mal so probieren, kannst du es mal so probieren, genauso kommen die auch zu mir. Meine Aufgabe ist eben der Gesang und der Ausdruck und die Interpretation und da gibt’s natürlich auch manchmal Vorstellungen, die können richtig sein, die können falsch sein, genauso von mir und so wird das dann gemeinsam erarbeitet und dann fangen die Songs an, aber in der Hauptsache wird muss ich wirklich sagen, zu 70 % bestimmt jeder einzelne Musiker auf der Bühne bei Karat sein Style selber, immer mit dem Rahmen, wir machen Karat-Musik.
Charly: Was glaubst du, würde dein Vater über Karat heute sagen?
Claudius Dreilich: Ich glaube, der wäre mächtig beeindruckt.
Charly: Ja, ich bin von euch beeindruckt, muss ich ehrlich gestehen. Ich war heute auch sehr aufgeregt, dass ich die Zusage noch gekriegt habe. Ich meine, die hatte ich ja schon von Adele, aber eben halt, dass ich den Anruf beantworte abgehört habe. Was schon. Ja, das hat gepasst. So, wo sind wir? Wir sind wir sind auch schon bald fast durch. So, gibt es Humor? Quatsch, gibt es hinter der Bühne genauso viel Humor wie auf der Bühne?
Claudius Dreilich: Ohne geht’s bei uns gar nicht. Also das geht schon da los, wenn wir am Hotel werden wir mit unserem Shuttle abgeholt und werden zur Bühne gefahren. Das ist dann immer sehr lustig und auch die Rückfahrt noch viel mehr, da ist man noch ein bisschen entspannter, aber auch müde. Trotzdem haben wir immer sehr viel Spaß, wir versuchen auch mit unserer Crew, mit unseren Leuten immer viel Spaß zu haben. Es ist manchmal nicht immer möglich, weil manchmal muss man auch sehr diszipliniert sein und sehr fokussiert sein auf gewisse Dinge, trotzdem kann ich mich eigentlich nicht erinnern, dass mal hier und da mal ein schöner lustiger Gag oder ein Witz mal gefallen ist. Also das – das gehört einfach dazu.
Charly: So, eine Zusatzfrage habe ich noch und zwar: Wenn ihr der blaue Planet heute mit den Augen des Jahres 2027 betrachtet, was würdet ihr sagen, was hat sich was hat sich und seit der Veröffentlichung verändert?
Claudius Dreilich: Also eigentlich müsste man jetzt deprimierend durch die Welt laufen und sagen, wir haben überhaupt nichts erreicht mit diesem Song, weil sich ja die Welt eigentlich nicht wirklich zum Besseren entwickelt hat, muss man mal so sagen. Könnte man so auslegen, wir sehen es ein bisschen anders. Ich glaube, das ist ja immer in Wellenbewegung ist, wie die Stimmung auch auf der Welt ist und die und wie die Herde und die Kriege und die ganzen kritischen Situationen auf der Welt beherrschen, das ist ja immer mal mehr mal weniger und mal dort mehr mal dort mehr, also es ist natürlich nie zufriedenstellend und der blaue Planet ist ja deswegen auch immer noch so aktuell, weil man damals einfach auch schon einen Text geschrieben hat, wo man sich gedacht hat, hm, wäre schön, wenn das in ein paar Jahren aufhört, aber wahrscheinlich kriegen wir es nicht hin, weil wir sind einfach dumme Menschen. So und das wird sich wahrscheinlich auch nie so ändern. Also aber es zeichnet die Menschen auch aus, dass nicht alle gleich sind, also von daher das wäre ja auch ganz furchtbar. Also von daher und bevor dieser Song der blaue Planet geschrieben wurde, gab es ja auch andere Songs schon, die sich auch mit der Thematik beschäftigt haben, die heute genauso aktuell sind. Es hat einfach mit der mit den Menschen zu tun und mit der wie wir miteinander umgehen und mal ist es ein bisschen besser und mal ist es ein bisschen schlechter und im Moment ist es eben eine Katastrophe.
Charly: So, jetzt komme ich zu meiner letzten Frage, weil du hast ja auch noch ein bisschen was zu tun, du willst ja auch gleich die Besucher begeistern mit eurer Musik. Ich bin begeistert, also ich brauche nicht mal das Konzert besuchen, ich habe mir schon viele Live-Konzerte angeguckt von euch. Für den 12. November 2027 in der Bremer Glocke ist bereits ein besonderes Karat-Konzert unter dem Titel 45 Jahre der blaue Planet angekündigt. Was dürfen die Bremer Fans bei diesem besonderen Konzert erwarten?
Claudius Dreilich: Wir haben uns da Gedanken gemacht, dass wir das haben wir schon länger vor und jetzt ist es ist diese 45 diese Jahreszahl da, dass wir gesagt haben, das ist würdig genug, das Album der blaue Planet ist das kommerziell erfolgreichste Album einer Band aus der DDR überhaupt, es hat damals in der Bundesrepublik mehr als Goldstatus erreicht und ist bis heute unerreicht von den Verkaufszahlen, was eine deutsche Band angeht. So und das zeichnet dieses Album ja aus, dass das Interesse sehr sehr groß ist. Will damit sagen, so gut in jedem Haushalt in der DDR stand dieses Album und wahrscheinlich in jedem zweiten Haushalt in der Bundesrepublik stand das Album, das steht das Album immer noch. Das ist würdig genug, diese Songs alle rauszuholen. Also haben wir gesagt, wir werden dieses Album komplett live auf die Bühne bringen. Also das wird, wenn wir nur das Album spielen würden, wären wir nach 45 Minuten fertig, da wären die Leute ein bisschen sauer, wenn wir sie in der Häusche schicken. Also bauen wir alle Songs sämtliche Songs in dem Programm mit ein, so dass dieses Album komplett zu 100 % vertreten ist.
Charly: So, danke Claudius, dass du dir Zeit genommen hast für uns. Ich danke natürlich auch Adele, dass sie uns es ermöglicht hat, euch beziehungsweise dich interviewen zu dürfen und würdest du eventuell noch einen persönlichen Gruß für unsere Zuhörer hier eben kurz beikprechen, damit?
Claudius Dreilich: Ja, sehr gerne, sehr gerne. Also ich grüße euch alle ganz lieb. Hier ist der Sänger von Karat, der Claudius und ich hoffe, wir sehen uns alle nächstes Jahr in der Glocke 2027 im November zu unserer Tour der blaue Planet. Bis dahin, liebe Grüße.