
1. Der Wendepunkt: Raus aus dem Teenie-Pop
Nach dem Ausstieg des Gründungsmitglieds Vince Clarke stand die Band vor einer Zerreissprobe. Ihr verbliebener Hauptsongwriter Martin Gore musste die musikalische Ausrichtung neu definieren. Auf ihrem zweiten Album A Broken Frame suchten sie noch nach ihrem Weg, doch mit „Everything Counts“ (der ersten Single aus dem dritten Album Construction Time Again) fanden sie ihren unverkennbaren Signature-Sound.
2. Die musikalische Revolution: Sampling und Industrialsound
Um den Song so wuchtig und andersartig wie möglich klingen zu lassen, experimentierte die Band im Studio extrem mit neuen Technologien und Klängen.
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Statt rein auf klassische Synthesizer zu setzen, nutzten sie den damals brandneuen Emulator-Sampler.
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Sie sampelten Alltagsgeräusche, Schlaggeräusche auf Metallrohre, Holz und Schrott.
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Zusätzlich integrierte Martin Gore ungewöhnliche akustische Instrumente wie die Oboe und das Xylophon, was dem Track eine fast mittelalterliche, gleichzeitig aber kalte, mechanische Wucht verlieh.
3. Der Text: Eine bitterböse Kapitalismuskritik
Während viele Synth-Pop-Bands der frühen 1980er Jahre unbeschwerte, poppige Themen besangen, schlug Martin Gore mit „Everything Counts“ einen völlig anderen, politischeren Ton an. Der Song ist eine beißende Abrechnung mit dem unersättlichen Profitstreben des Kapitalismus, gierigen Konzernen und der Geschäftswelt:
„The grabbing hands grab all they can / All for themselves, after all…“ („Die greifenden Hände greifen alles, was sie können / Alles für sich selbst, schließlich…“)
Der Refrain „The hands of industry“ (Die Hände der Industrie) geißelt die Ausbeutung des Menschen und der Welt durch das System. Ironischerweise wurde ausgerechnet dieser hymnische Song zu einem weltweiten Club-Erfolg, der die Message tanzbar machte.
4. Der Durchbruch und die Folgen
„Everything Counts“ schlug vor allem in Europa ein wie eine Bombe (unter anderem Platz 6 in den britischen Charts) und bewies allen Kritikern, dass Depeche Mode auch ohne Vince Clarke eine musikalische Macht waren.
Live wurde der Song über Jahrzehnte hinweg zu einem absoluten Höhepunkt: Wenn das Publikum bei Konzerten den berühmten, mehrstimmigen Chor im Refrain („The grabbing hands…“) a cappella mitsang, erzeugte das eine Gänsehaut-Atmosphäre, die bis heute zu den emotionalsten Momenten jeder Depeche Mode-Show gehört.