
Es gibt Songs, die untrennbar mit einem Lebensgefühl, einer Epoche oder einem bestimmten Film verknüpft sind. Wenn man die ersten sphärischen Keyboard-Klänge und die markanten Gitarrenakkorde von „Don’t You (Forget About Me)“ hört, schießt sofort das Bild eines jungen Mannes durch den Kopf, der mit geballter Faust in die Luft streckt, während die Abspannmusik zu John Hughes’ Kultfilm The Breakfast Club einsetzt.
Dass dieser Welthit jedoch fast nie von den Simple Minds aufgenommen worden wäre – ja, dass die Band ihn anfangs sogar regelrecht verachtete –, ist eine der amüsantesten Anekdoten der Popgeschichte.
Der perfekte Soundtrack für eine Teenager-Rebellion
Mitte der 1980er Jahre suchte der Regisseur und Drehbuchautor John Hughes nach dem perfekten musikalischen Aushängeschild für seinen kommenden Film The Breakfast Club (1985). Der Film erzählte die Geschichte von fünf völlig unterschiedlichen Schülern, die an einem Samstag zum Nachsitzen verdonnert werden und dabei feststellen, dass sie weit mehr verbindet, als es zunächst den Anschein hat.
Der britische Songwriter und Produzent Keith Forsey (bekannt u.a. für Flashdance… What a Feeling) wurde beauftragt, den Titelsong zu schreiben. Die Inspiration kam ihm direkt nach der Lektüre des Drehbuchs: die zentrale Frage, ob die fünf Jugendlichen nach dem Wochenende in der Schule wieder wie Fremde aneinander vorbeigehen würden oder ob ihre Verbindung von Dauer ist. Forsey schrieb den Song zusammen mit dem Gitarristen Steve Schiff – und hatte sofort eine bestimmte Band im Kopf: die aufstrebenden schottischen Post-Punker Simple Minds.
Von „Ultra-Hip“ zu „Bloß nicht!“
Bevor der Track jedoch bei den Simple Minds landete, wurde er anderen Größen der Musikwelt angeboten. Bryan Ferry von Roxy Music lehnte ab, weil er gerade in ein Soloprojekt eingebunden war (eine Entscheidung, die er später bitter bereute), und auch andere Acts winkten ab.
Als der Song dann dem Management und den Musikern der Simple Minds angeboten wurde, stieß er auf pure Ablehnung. Die Band, gerade frisch beflügelt durch den Erfolg ihres bombastischen Albums Sparkle in the Rain, hielt sich damals für viel zu „ultra-hip“ und alternativ, um fremdes Material – noch dazu für einen US-Teenie-Film – aufzunehmen.
Frontmann Jim Kerr erinnerte sich später schmunzelnd an diese arrogante Phase: „Wir haben uns damals absolut nicht für amerikanische Highschool-Kids interessiert. Der Song klang für uns wie Pop-Kitsch, und wir wollten ihn auf gar keinen Fall machen.“ Mehrfach lehnten sie das Angebot kategorisch ab.
Das Veto der Ehefrau und ein feuchtfröhlicher Abend
Dass der Song schließlich doch noch im Studio landete, ist vor allem zwei Personen zu verdanken:
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Chrissie Hynde: Die Frontfrau der Pretenders und damalige Ehefrau von Jim Kerr hörte den Track, fand ihn großartig und redete so lange auf ihren Mann ein, bis der sture Schotte weich wurde („Was hast du eigentlich für ein Problem? Das ist ein verdammt guter Song!“).
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Keith Forseys Hartnäckigkeit: Der Produzent gab nicht auf, reiste extra nach Großbritannien und verbrachte erst einmal ein paar gesellige Abende mit der Band im Pub. Man verstand sich auf menschlicher Ebene prächtig – und schließlich willigte Jim Kerr ein, es zumindest für einen Nachmittag im Studio auszuprobieren.
Die Geburt eines Klassikers (und der berühmte „La-la“-Fehler)
Im Studio machten die Simple Minds den Song zu ihrem eigenen. Gitarrist Charlie Burchill steuerte wuchtige Power-Chords bei, die dem Track den typischen, stadiontauglichen Drive verliehen.
Das wohl prägnanteste Element des gesamten Liedes entstand dabei rein zufällig aus purer Bequemlichkeit: Für das Outro hatte Jim Kerr schlicht noch keinen Text geschrieben und intonierte stattdessen improvisiert das weltberühmte, schwebende „La-la-la-la“. Als Produzent Keith Forsey das hörte, war er elektrisiert und rief: „Über meine Leiche! Das bleibt genau so!“
Der Triumph in den Charts
Als The Breakfast Club im Frühjahr 1985 in die Kinos kam, wurde der Film ein phänomenaler Erfolg – und der Titelsong explodierte förmlich in den weltweiten Hitlisten. „Don’t You (Forget About Me)“ schoss direkt auf Platz 1 der US-Billboard Hot 100 und machte die Simple Minds über Nacht zu globalen Superstars.
Im Rückblick mussten die Bandmitglieder oft schmunzelnd zugeben, wie knapp es davor war, dass sie diesen Mega-Hit verpasst hätten. Aus einer lästigen Pflichtübung, die sie erst gar nicht machen wollten, wurde das unsterbliche Denkmal einer Ära.